Schimmelpilze

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Text: Dr. Marie-Louise Kerkmann, Uni-Klinikum Dresden

Schimmelpilze sind echte Hyphen (Mycelien) bildende Pilze. Ihre Vermehrung erfolgt durch Sporen. Schimmelpilze kommen überall vor, in der Außenluft sind sie abhängig von der Jahreszeit mit einem Maximum im Spätsommer beziehungsweise Frühherbst nachweisbar. Damit sich Schimmelpilze in Innenräumen ansiedeln können, müssen folgende Bedingungen gegeben sein: Eine ausreichende Materialfeuchte der betroffenen Flächen (aw-Wert > 0,8) und genügend organische Nährstoffe mit Kohlenstoff- und Stickstoffquellen (zum Beispiel Lignine, Zellulose, Weichmacher, Zucker). Diese befinden sich unter anderem in Tapeten, Farben oder Silikon in ausreichender Menge. Ein pH-Wert im sauren Bereich begünstigt das Schimmelpilzwachstum, ein pH von 4,5 bis 6,5 ist optimal.

Schimmelpilze im Bereich einer Sockelleiste


Wie ist Schimmelpilzbefall zu untersuchen?

Folgende Methoden stehen zur Verfügung:

  • Mikroskopische/kulturelle Materialanalyse,
  • Luftuntersuchung mit Referenz zu Außenluft,
  • Zählung der Sporen in der Innenraumluft.
  • Untersuchung von Hausstaubproben,
  • alternative Verfahren, zum Beispiel Nachweis von Mycotoxinen, Allergenen und mVOC´s (mikrobielle volatile organische Substanzen).

Häufig nachweisbare Arten sind u.a. Schwarzschimmel-Arten Cladosporium spp., Ulocladium spp. (Abb. l), Stemphyllium spp., Alternaria spp. und Stachybotrys atra, die ein allergenes Potential besitzen. Aspergillus spp. (i. B. Aspergillus versicolor), Acremonium strictum, Trichoderma viride und Penicillium spp. werden ebenfalls häufig nachgewiesen. Thermotolerante beziehungsweise thermophile Pilze (Wachstumsoptimum >. 37 Grad Celsius) sind seltener die Ursache von Innenraumbefall.


Beurteilung der Meßergebnisse

Für die Beurteilung der Innenraumbelastung gibt es Richtlinien von mehreren Arbeitsgruppen. Aus mehreren Gründen ist es schwierig, tatsächliche Gefährdungen aus Messwerten abzuleiten: die Datenbasis ist aufgrund ungenügender Fallzahlen unvollständig und die individuelle Disposition zu einer allergischen Reaktion noch weitgehend unklar. Dazu kommt ein ungenügender Kenntnisstand über die Wirkung von Mycotoxinen in der Atemluft.

Wie schon erwähnt, ist bei Innenraumluftbestimmungen immer die Außenluft parallel zu untersuchen. Wachsen in der Kultur von Luft- oder Staubproben nur ein oder zwei Spezies an, so ist auch bei geringeren Koloniezahlen eine echte Belastung in Erwägung zu ziehen, umso mehr, wenn es sich um typische Innenraum-Pilze handelt.

Schimmelpilze in einer Hohldecke


Mögliche Gesundheitsgefahren:

Als mögliche Gesundheitsgefahren kommen durch Schimmelpilze unter Umständen in Betracht:

Allergien, Typ I (Allergie vom Soforttyp) und Typ II (Allergie vom verzögertem Typ), wobei der Typ I häufig ein "outdoor"-Problem ist, das heißt in Zeiten besonders starker Außenluftbelastung. Die Typ II - Allergieform entsteht im Gegensatz zu der Typ I-Allergie auch bei immungesunden Personen. Es ist meistens ein arbeitsmedizinisches Problem, bedingt durch langzeitige Inhalation großer Mengen von Schimmelpilzsporen. Mykotoxikosen sind vor allem im Bereich Lebensmittel-Toxikologie bekannt. Insgesamt 50 Mykotoxine wurden bisher als toxisch beschrieben, davon 10 als kanzerogen. Mykotoxikosen im Innenraum sind bisher jedoch nur für Stachybotrys atra gesichert. Endomykosen, die ein Befall von inneren Organen des Menschen sind. Das Hauptpathogen ist Aspergillus fumigatus. Betroffen sind jedoch fast ausschließlich immungeschwächte Menschen.

Die Erkennung von Schimmelpilzbefall ist bei vorliegendem Anwachsen im Sichtbereich ohne weiteres möglich. Ist ein Befall verborgen angewachsen, gibt es meist nur indirekte Hinweise. Oft sind dies Wasserschäden hinter Verkleidungen, sehr feuchtes Wohnklima oder ähnliche Hinweise, die Vermutung zu einem nachfolgenden Schimmelpilzbefall nahelegen. In solchen Fällen sind dann z.B. Luftkeimuntersuchung und Messung sog. mVOC´s als indirekte Methoden geeignet. Besonderes Augenmerk ist auf ungeeignete Nutzung (zu feucht bzw. mangelnde Lüftung) sowie auf Bauteilfeuchten an typischen Stellen (Wärmebrücken, Ecken, Anschlüsse) zu legen.

Die Sanierung von Schimmelpilzbefall ist fast immer durch Trockenlegung und Beseitigung anderer Ursachen (z.B. Innenkompostierung) sowie mechanische Reinigung zu erreichen. In Ausnahmefällen kann mit Spezialverfahren in Hohlräumen eine dauerhafte Sanierung erfolgen.

Text: Dr. Marie-Louise Kerkmann, Uni-Klinikum Dresden

Weitere Informationen:

Schimmelsanierung

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