Die Kellerassel |
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Dr. Reiner Pospischil, Leverkusen Porcellio scaber (Latreille, 1804) (Isopoda, Porcellionidae), (engl.: dooryard sowbug, franz.: le cloporte, span.: cochinilla de humedad)
VerbreitungVon den Asseln, die zu den Krebstieren gehören, sind weltweit etwa 1300 Arten bekannt, von denen die meisten die Meere und ein geringerer Anteil Süßwasserbiotope besiedeln. Einige Arten haben den terrestrischen Lebensraum erobert und leben an feuchten Orten unter Pflanzenresten, loser Rinde und unter Steinen. Zu den bekanntesten Arten zählen die Kellerassel Porcellio scaber und die Mauerassel Oniscus asellus, die nahezu weltweit verbreitet sind.
AussehenDie bis zu 16 Millimeter langen Kellerasseln haben einen ovalen, dorsoventral abgeplatteten Körper und sind grau bis schiefergrau gefärbt (unsere Titelseite). Die Oberseite ist rauh gekörnelt. Die Ansatzstellen der Muskeln scheinen nicht selten als helle Flecken durch. Die Unterseite ist hellgrau gefärbt. Am Kopf, der mit dem ersten Brustring verschmolzen ist, befinden sich zwei Fühlerpaare, von denen das erste rudimentär ist und das zweite aus 5 Gliedern und einer zweigliedrigen Fühlerkeule besteht. Charakteristisch sind die 7 freibeweglichen Brustsegmente, an denen sich je ein Paar Laufbeine befindet. Der sehr kurze Hinterleib besteht aus 6 Segmenten. Die inneren Äste der blattförmigen, zweiästigen Gliedmaßen des Hinterleibs dienen als Kiemen der Atmung. Die Uropoden, die aus dem Beinpaar des 6. Hinterleibsegmentes gebildet werden, überragen das Abdomenende als stilettförmige Anhänge. Die Mauerassel unterscheidet sich von der Kellerassel durch ihre hellbraune Färbung, zwei Reihen gelber Flecken auf der Oberseite und die Fühlergeißel, die aus drei Gliedern besteht.
EntwicklungDie Weibchen tragen die 25 bis 90 Eier zirka 45 Tage lang bis zum Schlüpfen der Larven in einem speziellen Brutraum, der an der Unterseite des Körpers liegt und durch lamellenförmige Anhänge der Schreitbeine gebildet wird. Diese Brutpflege ist für die Besiedlung neuer Lebensräume sowie eine schnelle Entwicklung an diesen Standorten von Bedeutung. Innerhalb eines Jahres sind eine bis drei Eiablagen möglich. Die aus den Eiern schlüpfenden Larven, die 'Mancastadien' genannt werden, sehen den erwachsenen Asseln bereits ähnlich bis auf das fehlende 7. Laufbeinpaar. Nach der 3. Häutung werden die Larven zu dem 'Immaturesstadium' und durchlaufen bis zur Geschlechtsreife weitere 10 bis 13 Häutungen im Abstand von je zwei Wochen. Die erwachsenen Tiere haben eine Lebenserwartung von bis zu zwei Jahren.
Vorkommen und BedeutungAsseln sind Allesfresser und ernähren sich fast ausschließlich von pflanzlichen Materialien, wobei angefaulte Substanzen bevorzugt werden. Da die Sauerstoffaufnahme über Kiemen erfolgt und die Exokutikula nicht durch eine Wachsschicht vor Austrocknung geschützt ist, sind Asseln auf einen feuchten Lebensraum und einen nächtlichen Aktivitätsrhythmus angewiesen. Die Tiere richten in der Regel keine Schäden an und können im Innenraumbereich höchstens als Lästlinge angesehen werden. Außerhalb von Häusern sind die Tiere nützlich, da sie verrottende pflanzliche Materialien zu Humus weiterverarbeiten. Gelegentlich werden Asseln in feuchten Kellern an gelagerten Kartoffeln, Mohrrüben, Äpfeln und anderen pflanzlichen Vorratsgütern schädlich. Waschküchen werden aufgrund der hohen Luftfeuchtigkeit gern von Asseln besiedelt. In Gewächshäusern, in denen Asseln im Gegensatz zum Freiland das ganze Jahr über aktiv sind, können die Tiere bei Massenauftreten durch Fraß an Keimlingen und jungen Pflanzen beträchtliche Schäden anrichten. Gelegentlich dringen Asseln durch offene Terrassentüren oder Ritzen der Rahmen in Wohnbereiche ein. Die Tiere richten hier aber keine Schäden an und sterben aufgrund der Trockenheit nach kurzer Zeit ab. Über Hauswände, die mit Kletterpflanzen, zum Beispiel Efeu, bewachsen sind, können Asseln auch in höhere Stockwerke gelangen.
BekämpfungTreten gehäuft Asseln im Wohnbereich auf, ist es sinnvoll, ihre feuchten Lebensräume im direkten Umkreis des Hauses zu beseitigen. Ritzen und Spalten, in die Wasser eindringen kann, müssen mit Silikon oder anderen geeigneten Materialien verschlossen werden. Lose Terrassenplatten und undichte Wasserrohre können ebenfalls die Ursache für ein gehäuftes Auftreten von Asseln sein. Faulendes Pflanzenmaterial muß entfernt werden. Kaminholz muß luftig gelagert werden. Blumenkübel und -töpfe müssen so aufgestellt werden, daß sich unter dem Boden keine Feuchtigkeit ansammeln kann. In das Haus eingedrungene Tiere können mittels Staubsauger entfernt werden. In Kellerräumen kann durch die Behandlung mit einem insektiziden Spritz- oder Vernebelungsmittel nur ein akuter Befall beseitigt werden. Wichtige präventive Maßnahmen sind die Vermeidung von Feuchtigkeit im Fundament durch Isolierung der Außenflächen und Anlage eines Isolierputzes. Kellerfenster und Eingänge müssen abgedichtet werden, um ein Eindringen von Asseln zu verhindern. In Gewächshäusern und Kellern, in denen die Anwendung von Insektiziden nicht möglich ist, können Asseln durch Ködern mit künstlichen Verstecken dezimiert werden. Hierzu werden Blumentöpfe oder Plastikgefäße mit feuchtem Moos und gekochten Kartoffeln gefüllt und so mit der Öffnung an die Wand gestellt, daß die Asseln das Innere nur durch einen schmalen Spalt erreichen können.
Ausführliche Literatur beim Verfasser |
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